Ab Gründonnerstag Abend bis Karsamstag Nachmittag ziehen wieder die Klepperer durch unsere Straßen und mancher Einwohner Poxdorfs wird schon unfreundliche Gedanken gehegt haben, wenn er am Karfreitag oder Karsamstag kurz nach sechs Uhr aus dem Schlaf gerissen wurde. Hoffentlich kann diese kleine Abhandlung dazu beitragen, die Langschläfer zu besänftigen.
Im Gottesdienst am Gründonnerstag, in dem wir der Abendmahlfeier Jesu mit seinen Jüngern gedenken und die Einsetzung der Eucharistie feiern, verstummen nach dem Gloria die Glocken. Dies ist ein äußeres Zeichen die Trauer um Jesu Leiden und Sterben. Die Funktion eben dieser Glocken übernehmen die Klepperer. Sie drehen immer dann ihre Runden, wenn sonst die Kirchenglocken läuten würden.
In früheren Zeiten maß man dem Läuten der Kirchenglocken noch größere Bedeutung zu. Die Menschen begannen und beendeten ihr Tagwerk beim „Gebetläuten“ mit dem Angelus, gemäß der benediktinischen Regel „Ora et labora“. Das 11-Uhr -Läuten war das Zeichen für die auf dem Feld arbeitenden Frauen, dass das Mittagessen vorbereitet werden muss und um 12 Uhr war Mittagspause. Zu den Gottesdiensten wurde früher drei Mal geläutet, um die Bauern am Feld oder im Stall zur Kirche zu rufen, während heute nur noch eine Viertelstunde vorher „Zamgschlagn" wird. Da das Glockengeläut für viele diese ursprüngliche Bedeutung verloren hat oder sie ihm keine Beachtung mehr schenken, tun sie sich auch schwer, das Kleppern zu verstehen.
Die Aufgabe des Klepperns übernahmen in früheren Jahren die Ministranten. Dies ist wohl auch der Grund, warum immer noch fast nur Buben kleppern; früher waren Mädchen als Ministranten nicht zugelassen. Seit vielen Jahren sind die Mädchen eifrig beim Ministrieren dabei und so wäre es wünschenswert, wenn auch diese letzte Männerbastion - wie übrigens in vielen Gemeinden schon geschehen - fiele.
Organisiert wird das Kleppern von den Sechstklässlern, den sogenannten „Meistern“. Sie vereinbaren Ort und Zeitpunkt des Treffens, teilen Gruppen ein, sind für ein geordnetes Auftreten der Klepperer verantwortlich und verteilen letztlich die erhaltenen Spenden unter allen Teilnehmern.